Ich teste seit einigen Tagen das neue Photoshop CS5. Bis jetzt macht die Software einen rundum guten Eindruck. Subjektiv etwas schneller als der Vorgänger, was gerade für Fotografen mit großen Rohdaten (meine Canon 5dMKII wirft 21 Megapixel im Raw) freuen wird. Eines der Kernfeatures ist die inhaltssensitive Reparatur, mit der ich seit einiger Zeit herumspiele. Jeder, der sich schon einmal Stunden mit Retuschen um die Ohren geschlagen hat, kennt das Problem: Muster anstückeln, kopieren, überstempeln… das kostet Zeit. Adobe löst das Problem jetzt mit einer neuen intelligenten Funktion.
Bereits in der CS2 kam die Bereichsreparatur hinzu, in der die Umgebung für ein besseres Ergebnis hinzu genommen wurde. Jetzt werden zusätzlich Muster in die Berechnung einbezogen. Dies soll weichgezeichnete Flecken und Bildstörungen verringern.
An einem Beispiel möchte ich die Funktionsweise des neuen Filters im Detail beschreiben.
In der letzten Woche habe ich in der Magdeburger Zwickmühle wieder einmal einige Aufnahmen während der Vorstellung gemacht, die natürlich an einigen Stellen durch das Publikum verdeckt wurden. Sicherlich könnte man die Fotos zuschneiden, aber in gewissen Situationen benötigt man das gesamte Bildformat oder durch das Zuschneiden würden interessante Details verloren gehen. So auch in diesem Bild:
Im unteren Bereich sind deutlich Schattenwürfe durch das Publikum zu erkennen, was sich aber in einer Brennweite von 200mm auf gut 10 m Distanz nicht vermeiden lässt. Ein guter Ansatzpunkt für das neue Tool.
Jetzt heißt es “komm hol das Lasso raus” … und den Bereich großflächig einkreisen und über den Befehl “Fläche füllen” die Reparatur durchführen (“Bearbeiten>Fläche füllen”, bzw. Rückschritttaste auf der Hintergrundebene oder Shift+Rückschritt auf einer Ebene). Wichtig ist natürlich, dass unter “Inhalt” die Verwendung “Inhaltssensitiv” angewählt ist. Nach wenigen Sekunden sieht das Resultat so aus:
Sicherlich noch kein perfektes Resultat, aber schon sehr beeindruckend, was der Filter leisten kann. Komplizierter wird es sicherlich beim zweiten Schattenwurf.
Der Filter hat das Oberteil der Box eigenständig nach unten weiterkopiert. Ich finde, für ein flüchtiges Betrachten ist das Resultat nicht das Schlechteste. Der Schatten wirkt natürlich, der Verlauf des Vorhangs bis auf eine kleine Störung ist auch auch akzeptabel. Was mir sofort ins Auge sticht, ist das grüne Zipfelchen von Marion Bachs Oberteil. Warum Photoshop der Meinung ist, das würde hier hingehören, wird ein Geheimnis des Algorithmus bleiben.
Finetuning:
Ich habe den Filter auch auf kleine Bereiche des Fotos abermals angewendet. Mit dem Resultat kann man weitgehend zufrieden sein. Nun ist auch Marions grüner Zipfel verschwunden. Was mir an diesem Verfahren besonders gut gefällt, ist die Tatsache, dass die Körnung im Motiv erhalten bleibt. Eine Tatsache, die Fotografen sicherlich sehr schätzen werden. Beim Bereichsreparaturpinsel oder ähnlichen Methoden fernab des Stempels wurde bis jetzt immer die Fläche weichgezeichnet. Dies machte eine aufwändige Nachbearbeitung/Nachkörnung notwendig, um eine saubere gleichmäßige Fläche zu erhalten.
Zum Vergleich ein Versuch mit dem Bereichsreparaturwerkzeug:
Wie man hier sehr gut sieht, sind die Ränder sehr ausgefressen. Die Struktur auf der linken Seite des Vorhangs ist kaum noch zu erkennen. Ein Ausstempeln der großen Schattens ist mit dem Bereichsreparaturpinsel allein quasi unmöglich. Zunächst müsste man eine einheitliche Fläche einstempeln und dann Anpassungen durchführen. Ein Aufwand, der sich in den seltensten Fällen wirklich lohnt. Hier zeigen sich die klaren Vorteile des neuen Filters für den Fotografen
Kurz erwähnt sei noch, dass diese Funktion ein weiteres Feature liefert. In einem gewissen Rahmen können nun auch Fotos skaliert werden, ohne dass wichtige Bildinhalte dabei zerstört werden. Dies kommt gerade dem Teaserformat dieses Blogs zugute. (860x332px)
Zunächst vergrößere ich die Arbeitsfläche über “Bild>Arbeitsfläche> Höhe/Breite 200%” und erhalte dies:
Jetzt kann ich über ”Bearbeiten> Inhaltsbewahrendes Skalieren” das Bild “vergrößeren. Natürlich ist klar, dass wir hier Inhalte hinzufügen, die im Original nicht vorhanden sind. Kurz gesagt: Das Foto wird davon nicht besser. Aber für gewisse Anwendungsbereiche wie den Teaser ist dies ein durchaus sinnvolles Verfahren: Mittels des nun angezeigten Rahmens, ähnlich des Transformierenwerkzeugs, kann das Bild vergrößert werden. Grenzen sind hier für den Fotografen Objekte, die in den Hintergrund hineinragen, wie hier die Priesterhut und das Bauchvolumen von Herrn Pölitz.
Unter Berücksichtigung dieser Verzerrungen ist das nachfolgende Bild die maximale Erweiterung, die technisch möglich ist. Für großformatige Ausdrucke ist dieses Verfahren nicht zu empfehlen, da die Fotos sehr starke Pixelverzerrungen aufweisen (logisch…).
Der fertige Teaser sieht nun so aus:
Ein schönes neues Spielzeug für Fotografen, die ihre Formate anwendungsbedingt ändern müssen, jedoch mit einigen Kinderkrankheiten. Ich werde es wohl des Öfteren im Einsatz haben.












